Der Süden und der Wein

Die Überfahrt mit der Fähre auf die Südinsel war relativ unspektakulär. Abgesehen davon, dass wir sowieso ziemlich bedämmert von den Reisetabletten waren und somit auch die halbe Fahrt verschlafen haben.
In Picton angekommen, fuhren wir erst einmal zur Robin Hood Bay, wo wir die erste Nacht verbrachten und dank der Sandflies auch seit Dämmerungseinbruch bis zum nächsten Morgen keinen Fuß mehr vor die Autotür setzten. Am Samstag entschieden wir uns trotz des guten WetteIMG_1459rs gegen einen faulen Tag am Strand der schönen White’s Bay und für eine nächste Wanderung, da wir uns von der letzten wieder soweit regeneriert fühlten. Genauso schnell bereuten wir diese Entscheidung nach den ersten 300 Metern stur bergauf.
Für den Ostersonntag haben wir uns Fahrräder für die Marlborough Weinregion bei Blenheim gebucht. So radelten wir also mit Fahrradhelmen (in Neuseeland besteht Helmpflicht) und Fahrradkörben, für die eventuelle Ausbeute an Flaschen, ausgestattet durch die knallende Sonne von einem IMG_1356WINE TASTINGS – Schild zum nächsten und probierten uns querbeet durch die Gewürztraminer, Sauvignon Blancs und Rieslinge. Mit mal längeren, mal kürzeren Pausen dazwischen, hielten wir bei 6 Vineyards und probierten jeweils zwischen drei und fünf verschiedene Weine. Und beim Einschenken waren die Leute nicht geizig.. Dabei ließen wir uns noch etwas zu Geschichte und Geschmack erzählen und nickten dabei immer verständnisvoll und zustimmend.
Die nächsten Nächte seitdem waren leider etwas kalt in unserem kuscheligen, kleinen Auto, denn hier wird das Wetter, je südlicher man kommt, umso kälter. Das heißt die Temperaturen liegen nachts schonmal im schlimmsten Fall bei 6 Grad. Weiter dem Südpol entgegen, war unser nächster Stop bei Kaikoura, wo wir an der Küste entlang uns über und durch Felsspalten schlängelten und aufpassen mussten, nicht auf einen Seehund zu treten. Davon lagen da eine Menge und die sind nicht so glücklich, wenn man ihnen zu nah kommt.
Nächstes Ziel war wieder eine Großstadt, und zwar Christchurch. Als wir durch die Stadt schlenderten und nach einem City Centre suchten, fanden wir nichts als Baustellen vor. Das Erdbeben vor vier Jahren hat nicht viel übrig gelassen von der Stadt. Viele graue Trümmer, die teilweise bunt bemalt waren, um die Stadt etwas freundlicher wirken zu lassen, ein Cable Car, dass hier und da Station machte und natürlich wieder ein paar Sushi-Läden, von denen wir einen ausprobieren mussten! IMG_1417Und das wars.
Wir gönnten uns dann eine Autoauszeit für zwei Tage auf der Banks Peninsula und ließen uns dick eingepackt die Geschichte der einzigen französischen Siedlung Neuseelands erzählen, die hier ansässig ist: 1838 ist ein Franzose mit den Maori einen Kaufvertrag über die Halbinsel eingegangen, den er abschließen wollte, wenn er mit einer Siedlungsgruppe aus Frankreich IMG_1475zurück kehrt. In diesem Zeitraum hatten die Maori-Häuptlinge nicht nur gleich mehrmals dasselbe Grundstück verkauft, sondern ebenfalls den letztendlich gültigen Vertrag  mit der britischen Krone unterzeichnet. Von dem misslungenen Kolonisierungsversuch blieb bloß noch die eine kleine Siedlung übrig und ein paar französische Ortsnamen.
Danach ging es also zum Lake Tekapo, wo es mal wieder Zeit für eine Wanderung war. Die aber belohnt wurde mit einem Mocha und einem unglaublichen Blick aus dem Astro-Café.
Über Cheviot ging es dann nach Dunedin. Hier bleiben wir immoment für fast eine Woche, nach Auckland mal wieder eine längere Reisepause. Dienstag haben wir auf Gut Glück einen Friseur aufgesucht. Während IMG_1518meines Haarschnitts geriet ich zwischen die Fronten eines Streits von Chefin und Friseur, der mir die ganze Zeit Beschwerden ins Ohr zischte und die Augen verdrehte. Ich hatte bloß Angst um meine Haare, weil er immer wütender zu werden schien, und nickte deshalb immer nur lächelnd, obwohl ich nur die Hälfte verstand. Trotz Ängsten verließen wir ganz zufrieden (und erleichtert) den Salon.
Gestern war Touristenprogramm-Tag. Morgens besichtigten wir die Cadbury-Fabrik, abends die Speight’s Brewery. Cadbury erinnerte uns etwas an (Charlie und) die Schokoladenfabrik und die Führerin an Willy Wonka. Außer der Schokolade ist die Führung kein Muss..IMG_1555
Die Brauereitour war umso interessanter. Und ergiebiger. Nach der Führung durften wir uns in der Bar so oft an den Zapfhähnen bedienen, wie wir wollten (und konnten). Und einige machten das zum Sport und liefen um die Theke wie beim Rundlauf beim Tischtennis und füllten ihr Glas immer wieder neu auf. Danach liefen wir noch um das Octagon (das Stadtzentrum von Dunedin) die Barmeile entlang und setzten uns für ein letztes Bier hin.IMG_1575